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Digital Leadership bedeutet Freiräume und Coaching

Digital Leadership

Durch den technischen Wandel und die fortschreitende Vernetzung müssen Mitarbeiter ihr Leistungs-Portfolio ständig erweitern. Ein guter Führungsstil orientiert sich in Zeiten der Digitalisierung an diese veränderte Arbeitsumwelt. Digital Leadership bedeutet, Mitarbeiter individuell zu fördern und zu entwickeln. Durch Veränderungen der Organisations- und Teamstrukturen dehnen Sie die Komfortzone ihrer Mitarbeiter langsam aus.

Lesezeit: 4:00 Min.

Ohne Frage kommt dem Menschen bei der Digitalisierung weiterhin eine zentrale Rolle zu, doch die Anforderungen sind hoch. So sehen sich Mitarbeiter einerseits mit der Automatisierung von Prozessen, andererseits mit neuen Aufgaben und Technologien konfrontiert. Vor diesem Hintergrund erwarte ich von meinen Mitarbeitern vor allem, dass sie beständig dazulernen wollen.

Als ausgebildeter Coach sehe ich meine Aufgabe darin, meine Mitarbeiter dort abzuholen, wo sie gerade stehen. Das heißt: Ihre Potentiale entdecken und ausbauen und ein gesundes Bewusstsein für das Selbst- und Fremdbild aufzubauen. Dabei arbeite ich mit dem Modell „innerhalb und außerhalb der Komfortzone“. Indem ich gemeinsam mit den Mitarbeitern die Interessen, Potentiale und Grenzen für ihre Weiterentwicklung auslote, hole ich sie ganz sanft aus ihrer Komfortzone. Diese Vorgehensweise bedarf viel Empathie, um zu erkennen wie weit man dabei gehen kann und soll.

Eine vertrauensvolle Atmosphäre schaffen

Die digitale Welt erfordert flache Hierarchien und einen adaptiven Führungsstil nach Lean-Management-Prinzipien. Als Führungskraft müssen Sie nicht in allem der beste Experte sein, Fehler sind okay. Digital Leadership setzt insbesondere beim Chef Lernbereitschaft voraus. Bei Mitarbeitergesprächen versuche ich daher, das typische Machtgefüge Vorgesetzter/Mitarbeiter zu vermeiden. Meine Teamrunde halte ich beispielsweise grundsätzlich in der Kantine ab. In einer vertrauensvollen Atmosphäre sind Mitarbeiter eher bereit, offen zu sprechen und es ergeben sich „Zufallsideen“, die normalerweise eher außerhalb des Büros zustande kommen.

Methoden des Coachings schaffen neue Möglichkeiten, damit sich Mitarbeiter entwickeln können. Dazu gehört zum Beispiel verstärkt Fragen stellen und zuhören, Stille aushalten oder Stärken und Schwächen der Mitarbeiter gemeinsam ergründen. Ganz konkret trainiere ich meine Mitarbeiter, wie sie vor großen Gruppen sprechen können, wenn Vorstände anwesend sind. Oder wie Sie Nervosität in den Griff bekommen, wie Verhandlungen geführt werden können. Dafür simuliere ich mit ihnen Situationen in vertrauter Atmosphäre und übe ganz grundsätzliche Dinge: Wie adressiere ich die Personen im Raum? Wie bereite ich mich richtig vor? Durch solche Kurztrainings konnten die Kompetenzen im Team nicht nur signifikant erhöht, sondern auch der Teamzusammenhalt gestärkt werden. Ich bestehe darauf, dass meine Mitarbeiter ihre Themen selber vorstellen und vor hochrangigen Mitarbeitern aus dem Top-Management sprechen. Nur dann haben Sie die Möglichkeit, Ihre Fähigkeiten vor einem relevanten Personenkreis zu zeigen und sich für höherwertige Aufgabe zu empfehlen.

Tipp – Lesen Sie den Beitrag: Die Digitale Transformation gewinnt man analog!

Im Fokus steht die Individualität jedes einzelnen Mitarbeiters. Ihre Aufgabe als Führungskraft ist es, auf die persönlichen Charaktereigenschaften jedes einzelnen Mitarbeiters einzugehen und einen Fit zu den Unternehmenszielen herzustellen. Nur so können Sie entsprechende Fortbildungsangebote in den unterschiedlichsten Formaten anbieten und individuell auf den Mitarbeiter abstimmen. Ein zufriedener Mitarbeiter wird bessere Leistungen erbringen und damit zum Unternehmenserfolg beitragen.

Jeder ist in seinem Bereich ein Genie

Als Digital Leader möchte ich meine Mitarbeiter zu sich selbst führenden Experten in vernetztem Denken entwickeln. Im Zuge der Digitalisierung ist die Organisationsstruktur dabei ein wesentlicher Ansatzpunkt, um Mitarbeiter weiter zu entwickeln und Innovationen voranzutreiben. Wir haben bei uns im Team beispielsweise eine Patenstruktur etabliert. So hat jeder Mitarbeiter des Teams seine spezifische Aufgabe, übernimmt aber auch eine Patenschaft für andere Unternehmensbereiche im Rahmen der Digitalen Evolution, etwa im Bereich Smart Mobility.

Der Vorteil: Die Mitarbeiter fungieren so als „Botschafter“ und Schnittstellen zu anderen Unternehmensbereichen und Marken. Die Paten bringen Themen, die im Digital Transformation Office sind, in die Regelrunden ihrer Patenabteilung mit ein. Ziel ist eine aktive Beziehungsgestaltung zwischen dem Digital Transformation Office und den betreuten Abteilungen. Zudem tauschen sich die Paten ebenfalls untereinander aus. So verdoppelt sich der Synergie-Effekt und die veränderte Organisationsstruktur – das Netzwerk – fördert das strategisch systemische Denken meiner Mitarbeiter.

Eine weitere Möglichkeit, um die Potenziale und Grenzen der Mitarbeiter zu eruieren: Bilden Sie heterogene Klein-Teams. Bei Volkswagen haben wir gute Ergebnisse damit erzielt, einen sehr erfahrenen Mitarbeiter mit einem recht jungen Mitarbeiter zu kombinieren. Solche Teamstrukturen fördern den Austausch im Rahmen der digitalen Transformation im Unternehmen.

Die Digitalisierung impliziert bereits die Aufgaben einer Führungskraft: Die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die Mitarbeiter die nötige Sicherheit haben, frei zu denken und mit zu gestalten. Mir persönlich hilft dabei meine Erfahrung als Tanztrainer, da im Sport von Coaches ähnliche Methoden gefragt sind wie im Geschäftsleben. Coaches bereiten ihre Sportler, Paare und Teams so gut wie möglich auf Herausforderungen vor, aber wenn das Turnier einmal läuft, müssen sie an der Seitenlinie sitzen und zuschauen. Auch wenn es schwer fällt: Beobachten Sie, halten Sie sich zurück, und geben Sie im Anschluss Feedback. In der digitalen Welt muss eine Führungskraft nicht mehr zwingend im Rampenlicht stehen. Vielmehr hilft der Digital Leader seinen Mitarbeitern, selbst auf die Bühne zu treten und sich als Führungspersönlichkeit zu profilieren.

Fazit

Die Digitalisierung erfordert einen neuen Führungsstil und einen neuen Typus Vorgesetzter. Der Digital Leader muss seine Mitarbeiter genau kennen, sich mehr Zeit für sie nehmen und als „Coach auf Augenhöhe“ wirken. Durch eine gezielte Mitarbeiteranalyse entdecken Sie die Potenziale in Ihrem Team und können jedes Mitglied individuell fördern und entwickeln. Innovative und dynamische Organisationsstrukturen sind dabei eine geeignete Antwort auf die Anforderungen der Digitalisierung, etwa die Bildung von Experten-Teams oder der Aufbau von Patenschaften. Haben Sie den Anspruch, alle Mitarbeiter abzuholen und zu potenziellen Nachfolgern zu entwickeln. Wichtig ist, die Bedürfnisse der Mitarbeiter im Auge zu behalten und nicht zu verzweifeln, wenn das Angebot des Coachings nicht wahrgenommen wird, getreu nach dem Motto: „Even Jesus lost one out of 12.“

Verfasst von Falk Bothe

Falk Bothe ist seit Januar 2017 Director des Digital Transformation Office bei der Volkswagen AG. Er ist für die Governance und das Change Management in der Digitalisierung verantwortlich. Außerdem hat Herr Bothe Erfahrungen als Filialleiter, im Key Account Management und als Projekt- und Bezirksleiter im internationalen Kontext. Er ist zertifizierter Business Coach, Gastdozent für Organizational Change an der TU Braunschweig und an der Hochschule Osnabrück. Falk Bothe blickt auf eine 25-jährige Erfahrung im Rock' n Roll Turniertanz zurück, welche ihn in seinem Coaching stets beeinflussen.

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