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Meine Stellenbeschreibung lautet „Bereichsleiter Digitale Transformation“ – darunter sind eine Vielzahl von Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Anforderungen aufgelistet. Der Titel ist gut, weil er so schön generisch ist und man alles und noch viel mehr darunter packen kann: Prozesse optimieren, Technik anschaffen, Schulungen machen, Strategien entwickeln etc. etc. Er hat aber auch etwas Unheimliches: und es ist nicht das DIGITALE, sondern die TRANSFORMATION! Wenn man den Begriff mal näher betrachtet (gerne auch unter Zuhilfenahme einer Suchmaschine), dann geht es von Raupen und Schmetterlingen, über Muskelaufbau und Körperkult bis zu Autos, die zu Heldenmonstern oder Monsterhelden mutieren.

Monster in digitalisierten Unternehmen – hoffentlich nicht!

Andererseits hat sich der Begriff „Digitale Transformation“ etabliert, findet sich in Tausenden von Textbeiträgen und ebenso vielen Studien wieder. Er steht für den Veränderungsprozess von einer traditionellen, analogen Organisation in eine Organisation mit digitalen Infrastrukturen, digitalen Technologien und digitalen Geschäftsmodellen. Und er ist die Begriffskombination der letzten Jahre, die wie eine Sau durchs Dorf getrieben wird. Alle Firmen und eigentlich jeder soll sich mit der „Digitalen Transformation“ beschäftigen, ohne „Digitale Transformation“ wird man nicht zukunftsfähig sein, den Anschluss verpassen, am Kunden und Markt vorbeiagieren. Wer ernstgenommen werden will, muss das machen!

Wer muss sich transformieren?

Start-Ups und „Entwicklerbuden“, die großartiges Neues für Viele oder manchmal auch Irrwitziges für ein paar Wenige schaffen, sind qua Definition „Digital Natives“. Die Transformation muss hier nicht wirklich greifen. Durch die Transformation müssen aber Konzerne und mittelständische Unternehmen, die eine Geschichte und eine Vergangenheit haben. In diesen Firmen muss viel Neues geschaffen und Altes über Bord geschmissen werden, Technologien, Produkte und Anwendungen müssen neu gedacht und erfunden werden – natürlich alles digital!!

Wer macht es und wer muss es verstehen?

Das „Digitale neu machen“, das Tüfteln, das Entwickeln wird von Projektteams und Spezialisten erledigt, die dies aufgrund Ihrer Kompetenzen für die komplette Firma übernehmen und in „Innovation Labs“ sitzen. Aber was machen wir mit dem Vertrieb, dem Backoffice, der Buchhaltung, den Managern, dem Marketing usw.? Alle sind inzwischen in der Lage ihre Smartphones, iPads und PCs zu bedienen. Wie kam es dazu? Weil Nutzer heute eine gute Usability der Geräte erwarten können und keine Anleitung mehr brauchen, geschweige denn eine Programmiersprache können müssen, wie noch vor einigen Jahrzehnten. Und man will dabei sein und mitreden können, da hilft dann auch gerne die App des eigenen Lieblingssportvereins. Im Bewusstsein jedes Einzelnen sieht er sich also schon digital unterwegs.

Aber das reicht noch lange nicht. Die Mitarbeiter in den oben genannten Abteilungen wollen und müssen Digitalisierung verstehen und akzeptieren. Sie sind die Mehrheit im Unternehmen, die den dicksten Draht zu Märkten, Kunden, Lieferanten, Dienstleistern haben. Diese Kolleginnen und Kollegen sehen sich aber nur sehr selten als Raupen, die zu Schmetterlingen werden und noch weniger als Heldenmonster. Und neben dem Monster geht auch noch das Digitale Gespenst der Veränderung um: Was bedeutet dies für meinen Bereich? Für meine Aufgabe? Für meinen Arbeitsplatz? Wie mache ich weiter? „Machen wir schon immer so“ gilt nicht mehr.

1. 2. 3. die Menschen 4. die Prozesse 5. die Technologie

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Digitale Transformation zuallererst und wesentlich Kommunikation ist. Bedenken verstehen und Antworten geben auf die Fragen der Mitarbeiter. Ganz ANALOG zwischen Menschen, die verstehen wollen, was passieren wird und was ihr Beitrag ist. Es gibt im Norddeutschen einen alten Spruch „Wat de Buur nich kennt, dat frett he nich!“ (Was der Bauern nicht kennt, dass frisst er nicht!) Auch in Zeiten der Digitalisierung hat der Spruch einen hohen Wahrheitsgehalt, denn wenn man nicht überblickt, was da passiert, kann man sich auch nicht engagieren und einbringen in eine Organisation mit digitalen Produkten, Strukturen und Geschäftsmodellen.

Fazit

Die Technologie und die Produkte machen die Spezies im „Innovation Lab“ – dies dann nachhaltig im Unternehmen zu etablieren und erfolgreich in den Markt zu multiplizieren läuft nur über die gesamte Belegschaft. Da hilft nur viel, viel Reden und Antworten geben – also eine klare, intensive Kommunikation. Wie man ein Smartphone nutzt, muss man ihnen ja nicht mehr zeigen

Holger Meyer

Holger Meyer

25 Jahre plus Medien- und Marketing-KnowHow bei Verlagen, Vermarktern, Suchmaschinen und Digitalagenturen. Holger Meyer ist seit 2016 Bereichsleiter Digitale Transformation bei der Volksbank Raiffeisenbank eG. Auf der Visitenkarte steht aber der Titel „Digitale Akzeptanz“. Die nachhaltigste Lernkurve zur Transformation und Veränderungsbereitschaft hat er in den gut sechs Jahren bei Google erfahren, als er Country Manager von Google Deutschland war. Auch hier musste er im deutschen Team und Markt für Akzeptanz der Ideen und Produkte sorgen, die von den amerikanischen Programmierer-Teams kamen.www.vriz.de → LinkedIn → XING

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